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Evangelische Versöhnungsgemeinde: Du siehst mich – nicht! Zur Zukunft des Gefängnissystems

Mauern haben in Berlin eine prägende Wirkung. Solche, die seit über 25 Jahren nicht mehr stehen ebenso wie solche, die bis heute bestehen. Mauern bewirken ein Doppeltes: Sie werden zum Schutz gebaut und ziehen meist Trennungen nach sich. Der Schutz, den sie bieten sollen, täuscht oft darüber hinweg, dass sie Menschen, Familien, Gesellschaften auch voneinander trennen.

Die evangelische Versöhnungsgemeinde an der Bernauer Straße ist von der Geschichte der Berliner Mauer bis heute geprägt und sie trägt dieses Erbe mit großer Umsicht. Sie ist ein „Ort der Grenze(n)“ und zugleich der „Grenzübertretung“, ein Ort, der Menschen miteinander ins Gespräch bringen möchte.

Am Donnerstag, dem 25. Mai 2017 sollen hier Menschen in den Blick genommen werden, die hinter und mit Mauern leben müssen, nämlich Menschen, die zu einer Freiheitsstrafe verurteilt sind oder sich noch im Verfahren des Strafprozesses verbinden, also Gefangene. Zugleich nimmt dieses Gemeindeprojekt das System in den Blick, in dem sich Gefangene befinden  Schützen Mauern? Ist es einer modernen Gesellschaft angemessen, allein in Berlin fast 4.000 Menschen wegzusperren? Gibt es Alternativen zum momentanen Strafvollzug?

Welche Haltungen beziehen Christ*innen zu Inhaftierten? Und welche Rolle kann und soll Kirche spielen beim Übergang zu etwaigen Veränderungen?

Nach einer Podiumsdiskussion soll in Kleingruppen über Möglichkeiten eines verantwortlichen Umgangs mit straffällig gewordenen Menschen nachgedacht werden. Eigene Erfahrungen können eingebracht werden und die Besucher*innen werden mit Idee und Methode der „restorative justice“, bzw. „restorative circles“ bekanntgemacht. Der Besuch einer Haftanstalt im Verlauf des Kirchentages kann ermöglicht werden (begrenzte Teilnehmendenzahl). Informationen dazu erfolgen am Abend der Veranstaltung.

In einem ersten Teil des Abends ist eine Podiumsdiskussion geplant, die in einem zweiten Teil in kleineren Gruppen mit dem Publikum fortgesetzt wird. Für das Podium konnten wir Fachleute aus verschiedenen Bereichen gewinnen:

- Prof. Dr. Ineke Pruin, Assistenzprofessorin für Strafrecht an der Universität Bern, Schweiz.

- Herr Thomas Galli, Buchautor und ehemaliger Anstaltsleiter der JVA Zeithain, Sachsen.

- Frau Annett Zupke, Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation und für „Restorative Circles“, Berlin.

- Pfarrer Dr. Tobias Müller-Monning, Ev. Gefängnisseelsorger und Kriminologe, JVA Butzbach, Hessen.

- Herr Oliver Rast, ehem. Gefangener der JVA Tegel und Sprecher der Gefangenengewerkschafft GGBO, Berlin.

Rechtsanwältin Dr. Annette Linkhorst, Strafverteidigerin und Fachanwältin für Strafrecht aus Berlin wird die Podiumsdiskussion moderieren.

Der Abend wird musikalisch begleitet von der Flötistin Normisa Pereira da Silva.

© epd

Letzte Änderung am: 21.06.2017