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Begabt leben - mutig verändern. Mission in Berlin und drumherum

Allgemein zur Veranstaltung:

Die Diskussion der Projektverantwortlichen und die Beschäftigung mit ausstrahlungs-starken Gemeinden und Projekten hat gezeigt, wie wichtig es ist, als kirchliche Akteur*innen zu klären, wofür wir da sind: Was ist unsere Mission? Wofür stehen wir? Was wollen wir erreichen? In der Veranstaltung am Donnerstagnachmittag ging es darum, diese Fragen kontextuell zu beantworten und dabei auch auf die konkreten Herausforderungen einzugehen.

Ergebnisse:

Begriff "Mission": Als Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sind wir in der Minderheit. Dies ist aufgrund der Zahlen schon lange klar, aber oft nicht wirklich bewusst. Auch die kulturelle Prägekraft der Kirche ist begrenzt. Beispielhaft zeigte sich dies in O-Tönen, die auf der Veranstaltung eingespielt wurden. Junge Menschen antworten auf die Frage: "Was verbinden Sie mit Mission?", dass sie dabei an einen Film oder ein Computerspiel denken. Was wir mit dem Wort "Mission" verbinden und ob und wie wir es innerkirchlich gebrauchen wollen, scheint auch generationenspezifisch geprägt. Jüngere Menschen scheinen eher geneigt, es zu verwenden, als ältere, die durch die gewalttätige Missionsgeschichte eher vorsichtig mit diesem Begriff sind.

Mut zum Profil/Formulierung einer "Mission": Es zeigte sich, dass Gemeinden und Projekte dann Zuspruch bekommen, wenn sie eine Vision und ein Profil entwickeln, das auf Resonanz stößt: Zum Beispiel entwickelte sich der Berliner Dom seit dem Beginn der 90er Jahre von einer kleinen Gemeinde mit marodem Gebäude zu einem Besuchermagneten mit überregionaler Ausstrahlung. Auch andere ausstrahlungsstarke Orte basieren auf einem klaren Profil, wie die Martin Luther Gemeinde in Neukölln (sozialdiakonisch und niederschwellig, einladend mit vielen Ehrenamtlichen). Auch das freikirchliche Arche-Projekt hat ein klares soziales Profil. Die ländliche Kirchengemeinde Lychen sieht ihre Mission in der Öffnung der Kirche für kulturelle und soziale Anliegen im kleinstädtischen Gemeinwesen. Diese Offenheit wird dankbar angenommen. Dabei können auch traditionelle religiöse Elemente von der Öffentlichkeit als bereichernd angesehen werden. Profilbildende Voraussetzungen zu entdecken und entsprchende Ressourcen einzusetzen, das ist die Aufgabe, die sich jeweils regional verschieden stellt.

Thematisierung des Glaubens: Der christliche Glaube wird in den unterschiedlichen Gemeinden/Missionen unterschiedlich thematisiert: Beim Gottesdienst im Dom steht er naturgemäß im Mittelpunkt. Bei der Arche wird er wenig verbal thematisiert, um Offenheit für die Teilnehmer*innen zu gewährleisten. In den sozialraum-orientierten Gemeinden wird er als Teil der Identität der Gemeinden sichtbar und punktuell hörbar. Bei Interesse an Vertiefung sind die Gemeinden auskunftsfähig.

Orientierung an Inhalten, nicht an Gemeindemitgliederzahlen: Wichtigstes Ergebnis der Formulierung einer Mission ist ein positives Gefühl bei den Gemeindemitgliedern und Teilnehmer*innen, deren Leben durch die entsprechenden Aktivitäten bereichert wird - und eine dadurch gesteigerte positive Identifikation mit der jeweiligen Kirchengemeinde, der Kirche und dem christlichen Glauben insgesamt. Der Zuspruch zeigt sich in allen Gemeinden in überschaubarem Umfang in Taufen/Aufnahmen neuer Mitglieder.

Auf Ressourcen achten: In all den Veränderungen, Schwerpunktsetzungen und Schrumpfungsprozessen, denen die Kirche heute unterworfen ist, muss auf das geschaut werden, was Hoffnung, Glauben und Ressourcen vorhanden ist. Wir haben viele Möglichkeiten, uns einzubringen, auch wenn wir uns als Minderheit "akzeptieren", zeigte das Beispiel einer sehr kleinen Minderheitskirche aus Frankreich. Wichtig ist es, einen Trauerprozess über Verlorenes anzustoßen, um dann begabt zu leben, was uns geschenkt ist.

Letzte Änderung am: 26.10.2017